· 

Spirituelles Business - Deine Bestimmung finden und es läuft?

 

Ich stolpere ...

 

auf diversen Social Media Kanälen quasi minütlich über Angebote, Onlinekurse, Webinare, Coachingseminare und schlaue Tipps zum erfolgreichen Aufbau meines Business. Insbesondere diejenigen, die ein so genanntes "Spiritual Business" führen, also Yogalehrer, Heiler, Seelenberater usw. sind oder werden wollen, werden damit überschüttet. Offenbar ist da in letzter Zeit ein Markt entstanden, der unüberschaubar ist. Wenn man mal etwas genauer guckt, wer die Leute sind, die hinter diesen Wunderworkshops stehen, stellt man fest, dass das zumeist Menschen sind, die kein spirituelles Business haben, noch nie eine Yogaklasse unterrichtet haben und noch nie ein mediales Reading für jemanden gemacht haben.

 

Die rote Linie, die sich durch diese "Baue dein spiritual business mega-erfolgreich auf" - Geschichte zieht, irritiert und verwundert mich zutiefst und nicht selten bin ich einfach stinksauer darüber. Es ist nämlich so, dass das Geheimnis aus drei simplen Bausteinen zu bestehen scheint, und die heißen:

 

Buche einen völlig überzogen und wahnhaft teuren Onlinekurs

 

Du brauchst kein Investment für dein Business. Es braucht keine Arbeit, es braucht keine Energie, du musst nichst tun (außer natürlich den absurd teuren Kurs oder das Webinar buchen).

 

... und du wirst von 0,0 (beziehungsweise beginnen die meisten von uns erstmal mit beängstigend hohen Schulden) Umsatz innerhalb von einem Monat sechsstellig verdienen.

 

Echt jetzt?

Ich gebe zu, manchmal bin ich dankbar über Tipps von Menschen, die ein Unternehmen führen und sich wirklich auskennen. Es schadet nicht, sich Rat und Hilfe zu holen, allein schon deshalb, weil ich - wie die meisten Yogalehrer -  keinen blassen Schimmer von Buchhaltung, Steuern und gesetzlichen Richtlinien habe. Aber das, was ich in besagten Kursen und Webinaren lese und erfahre, finde ich schräg und oft auch gefährlich.

 

Was wird in den meisten Onlinekursen für Spiritual Leader "gelehrt"?

Im Kern ist es immer dasselbe. Die Botschaft lautet: wenn du deine wahre Bestimmung im Leben gefunden hast, dann flutscht es. Dann brauchst du nichts weiter tun, kannst alles fließen und geschehen lassen, die Schüler, Kunden, Klienten rennen dir die Bude ein und du bist in spätestens 3 Monaten reich und erfolgreich. Dann schaukelst du Business, Familie, Kinder, Life-Work-Balance wie von selbst, alles ganz von allein.

 

Und wenn das nicht klappt?

Tja, dann hast du eben deinen wahren Herzensweg noch nicht gefunden, bist spirituell irgendwie auf dem Holzweg, hast dich dem Fluss des Lebens nicht genug hingegeben, dem Prozess nicht vertraut. Selber schuld.

 

Ihr Lieben,

es gibt auf Social Media wunderbare Anregungen, schöne Übungen, prima Meditationen, tolle Tipps von Menschen, die nachhaltig erfolgreich spirituell arbeiten, das ist gar keine Frage. Ich bin nur sehr dafür, genau zu schauen, welche Botschaft da transportiert wird, woher sie kommt, wer sie verbreitet und wie sie nach außen getragen wird.

 

Ich habe dir hier ein paar Impulse zusammengetragen, die für mich und mein Business gut sind, mit denen ich mich wohl fühle, auf die ich vertraue und von denen ich sicher bin, dass sie nachhaltig wirken:

 

Zeit

Ein Geschäft im Bereich Spiritual Work und Yoga aufzubauen (und vor allem ein solches, das hält und trägt!) braucht Zeit. Und zwar richtig viel Zeit. Denke nicht in Monaten, sondern in Jahren. Nicht ein Jahr, sondern mindestens drei. Viele erfolgreiche Yogalehrer sprechen von bis zu fünf Jahren, bis es wirklich und wahrhaftig läuft.

 

Akzeptiere, dass es Arbeit und Investment bedeutet

Einen Laden zu gründen, eine selbständige Existenz aufzubauen und zu halten, erfordert Arbeit. Punkt Aus. End of story.

Es braucht Investment. Zeit, Energie, Geld, Fokus und Disziplin.

 

Tiefe & Substanz

Erlaube deiner Arbeit, über einen langen Zeitraum in die Tiefe zu wachsen und an Substanz zu gewinnen.

Das erreichst du nicht mit vogelwilden Werbestrategien und dem Mitschwingen mit dem Hype.

Tiefe und Substanz können immer nur aus eigenem Erleben, persönlicher Erfahrung und großer Achtsamkeit entstehen.

Gib nur weiter, was du wirklich weißt. Unterrichte nur, was du wirklich kannst. Erzähle nur, was du wirklich erlebt hast.

Möglicherweise hast du auch erstmal ziemlich schnell Erfolg, wenn du es andersrum machst. Tragen wird es nicht. Die Menschen merken schnell, ob jemand wahrhaftig ist.

 

Innere Arbeit

Um im spirituellen Bereich erfolgreich arbeiten zu können, musst du ran an deine inneren Themen.

Natürlich haben auch Yogalehrer, Meditationsleiter, Coacher usw. Probleme, Schwierigkeiten, knabbern an Themen, leiden, empfinden Schmerz, sind immer wieder auch mal instabil. Um aber wirklich glaubhaft zu sein, solltest du mit bestimmten Dingen durch sein oder dich zumindest schon tief in einem Prozess der Heilung befinden. Spiritual Business besteht nämlich in der Hauptsache darin, den Raum zu halten für die Menschen, die zu dir kommen.

Du musst da sein. Dein Ego bleibt außen vor. Du bist der stabile Anker für deine Schüler, du stellst dich dahin, wo sie stehen, nimmst sie an der Hand und begleitest sie. Sicher und verlässlich. Dafür brauchst eine große innere Stabilität, die Fähigkeit, dich selbst zu halten und zu tragen.

 

Sei dankbar. Auch für die kleinen Brötchen

Ich habe unzählige Male Yogaklassen mit zwei, manchmal auch nur mit einer Schülerin unterrichtet, und tue das teilweise immer noch.

Das ist manchmal schwer und enttäuschend. ABER: es ist unglaublich wichtig für das Wachstum, das innere wie für das äußere.

Darum wertschätze jeden Menschen, der zu dir kommt. Unterrichte die Klasse mit einer Person mit derselben Energie, derselben Intention und Liebe wie die Klassen, die voll sind. Bleibe kontinuierlich darin, so schleifst du deinen Charakter (ja, wirklich!), deinen Geist, du gewinnst an Erfahrung.

Halte die Aufmerksamkeit und die Achtsamkeit, denn so signalisierst du deinen Schülern, dir selbst und dem Universum, dass du es ernst meinst.

 

Behalte ein sicheres Standbein

Zumindest am Anfang. 

Viele, die ein spirituelles Business planen, schmeißen von heute auf morgen alles hin, kündigen ihren Job und preschen Vollkaracho drauflos, weil sie überzeugt sind, dass sie wissen, wo ihr Weg liegt. Es ist bitter zu beobachten, wie viele von diesen Geschäften nach sehr kurzer Zeit gegen die Wand gefahren sind.

Bleibe vernünftig und achtsam. Behalte einen sicheren Job, wenigstens einen kleinen Job, der deine Versicherungen abdeckt.

Mit einem einigermaßen sicheren kleinen Grundeinkommen kannst du dein Business sehr viel entspannter angehen.

Wenn du komplett abhängig davon bist, dass dein Laden schnell gut läuft, wirst du nur hektisch und versuchst unter großem Druck Schüler und Klienten zu gewinnen. Das fühlt sich nicht gut an, und funktioniert auch nicht.

 

Erkenne die Beruflichkeit

Dein Laden ist dein Job. Auch ein spirituelles Business ist ein Business.

Halte dich an bestimmte Regeln und Richtlinien und fordere diese auch von deinen Schülern und Klienten ein.

Dein Angebot kostet Geld. Deine Yogakarten sind nur für eine bestimmte Zeit gültig, halte das ein.

Formuliere AGB´s und deine geschäftlichen Richtlinien.

Finde Klarheit im Umgang mit diesen Dingen.

 

Netzwerke & Kluge Werbung

Das braucht es natürlich auch. Vernetze dich. Halte Ausschau nach Menschen, mit denen du gerne arbeiten möchtest, suche nach Synergien, schaffe kluge Verbindungen, und schaffe diese Verbindungen liebevoll. Nicht, weil sie dir nutzen. 

Auch Werbung ist wichtig, aber meiner Erfahrung nach nicht überall und alles. Schau, was für dich am besten funktioniert. Überschütte die Menschen nicht mit Angeboten, Newslettern und Werbung, das nervt immer ein bisschen. Setze diese Tools gut überlegt und achtsam ein.

Ich persönlich arbeite mit Flyern, die ich in meinen Lieblingsläden in meinem Viertel (ein Glück, dass auch das Yogastudio in meinem Viertel ist - wunderbar, wenn alles vor der Haustür ist, kann ich nur empfehlen!) auslege. Dort kenne ich die Leute und die Leute kennen mich. Außerdem nutze ich natürlich meine Website, Facebook (ja, hin und wieder kommt auch jemand über FB) und ein paar andere nette Plattformen, wie zum Beispiel nebenan.de (Vernetzung in deiner Nachbarschaft). Die beste und wichtigste Werbung ist aber, dass deine Schüler dein Angebot persönlich weitertragen und empfehlen ("ich kenne da jemanden..."). Das erreichst du über Beziehungsarbeit und die besagte Beständigkeit und Kontinuität in deiner Arbeit.

 

Und dann vertraue dem Prozess :-)

Natürlich darfst und sollst du es fließen lassen, daran glauben, dass alles zum richtigen Zeitpunkt zu dir kommt.

Das macht absolut Sinn und hilft dir, dran zu bleiben. Du brauchst dafür aber ein aus Achtsamkeit gewachsenes, stabiles Fundament.

 

Liebst,

Margit