· 

Der köstliche Moment der Mitte - Pranayamaübung


 

 

Ich ATME ein und komme zur Ruhe.

Ich ATME aus und lächle.

Heimgekehrt in das Jetzt

wird dieser Moment ein WUNDER.

 

(Thich Nhat Hanh)

 

Im Yoga und in der Meditation begegnet uns immer wieder das Thema ATEM.

Der Atem ist das essenzielle Tool, eines der kraftvollsten Werkzeuge, das uns in die Gegenwärtigkeit bringt, Verbindung nach Innen schafft, uns beruhigt, uns trägt und unser Bewusstsein schärft und erweitert.

 

Die Achtsamkeit auf den Atem ist Grundlage jeder Yogaklasse.

 

Hier und heute geht es um einen Aspekt des Atems, der über das schlichte (und trotzdem nicht minder wundervolle) Gewahrsein des Atems hinausgeht.

Es geht um den süßen phantastischen Moment in unserem Atem, in dem NICHTS, rein gar NICHTS geschieht - in der Atempause.

 

Unser Atem setzt sich aus vier Atemphasen zusammen:

Einatmen

Atemfülle

Ausatmen

Atemleere

Ein- und Ausatem sind dabei die Bewegungsphasen, Atemfülle und Atemleere die Pausen. Im Yoga wollen wir den Atem tendenziell immer vertiefen, ihm mehr Raum geben und dabei auch die Momente der Mitte, also die Pausen ausdehnen.

 

Patanjali schreibt im Yoga Sutra darüber:

"Achte genau auf Atem. Er ist außen oder innen, angehalten oder in der Bewegung. Beobachte auch den Ort im Körper, die Dauer und die Zählung. Lang und fein." (2, 50 Yogasutra). Damit meint Patanjali erstmal die Bedeutung der Atemvertiefung. Der Atem soll lang (dirgha), regelmäßig und fein (suksma) werden.

Zu den Atemphasen sagt er: "Du wirst erkennen, dass der Atem an drei Orten sein kann: ganz ausgeatmet (es tritt eine kurze Atempause ein) ganz eingeatmet (wieder mit einer kurzen Atempause) oder in der Bewegung zwischen diesen beiden Zuständen. In der Meditation bemühen wir uns um eine tiefe, langsame Atmung mit gleichbleibendem und gleichmäßigem Ein- und Ausatem. Dadurch bleibt unser Geist klar und fokussiert."

 

Die Pranayama Praxis des gleichmäßigen Atems ist die Grundlage für die Ausdehnung und Vertiefung unseres Atems, Der gleichmäßig tiefe Atem stimmt uns so schön friedlich und beruhigt unseren Geist. Die Atempausen sind das Feintuning, sie sind ein gleichwertiger Bestandteil unseres Atems, mehr noch, sie bilden den köstlichen Moment der Mitte, in dem wir nichts tun, in dem nichts geschieht, in dem wir nur sind. In diesen Momenten ist ein tieferer Zugang zu unserer Inspiration möglich, eine Hingabe an das, was ist.

 

Probier doch einfach mal diese kleine Übung aus. Du kannst dieses Pranayama im Sitzen, im Liegen oder in ruhigen Asanas, zum Beispiel in der Kindhaltung üben:

 

Finde erst einmal Gleichmäßigkeit in deinem Atem. Nimm dir dafür wirklich ein paar  Momente Zeit.

Richte deine ganze Aufmerksamkeit auf deinen Atem und beobachte sein Kommen und Gehen. Manche Menschen üben das gerne mit Zählen, zum Beispiel Einatmen 2,3,4,5,6 und Ausatmen 2,3,4,5,6. Ich persönlich bin kein so großer Fan des Zählens, weil es mich irgendwie ablenkt und anstrengt. Ich versuche, intuitiv gleichmäßig zu atmen.

Nach einer Zeit wirst du merken, dass sich alles Denken verlangsamt und du ruhiger wirst.

Dann beginne, die Atempausen bewusst wahrzunehmen.

Du atmest ein - Atemfülle - bleibe hier einen klitzekleinen Moment. Das ist wie ein Punkt, den du hinter deine Einatmung setzt. Atme aus - Atempause - verweile wieder kurz. Der Atem bleibt weiterhin ganz ruhig und gleichmäßig tief.

Nach und nach kannst du jetzt deine Atempausen, die süßen Augenblicke, in denen alles ganz still und weit wird, ausdehnen.

Bleibe dabei aber wirklich ganz weich in deiner Intention, übe ohne Anstrengung.

Mit der Zeit wirst du spüren, dass du dich in diese kleinen Momente hineinfallen lassen kannst,

weil sie mit etwas Übung ganz von alleine geschehen.

 

Dieses Pranayama eignet sich sehr gut, um es vor jeder Yogapraxis als Einstieg zu üben, um dich erstmal zu fokussieren und deinen Geist klar zu kriegen. Auch wann immer du dich unruhig und gestresst fühlst, ist diese Übung eine richtige Wohltat.

 

Ich wünsche dir viel Freude dabei!!