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Für wahre Rebellen - Viniyoga!

"Where is delusion, when the truth is known?

Where is desease, when the mind is clear?

Where is death, when breath is controlled?

Therefore, surrender to Yoga."

 

(Sri T. Krishnamacharya)

 

Es gibt ja mittlerweile unendlich viele verschiedene Yogastile: Jivamukti Yoga, Iyengar Yoga, Vinyasa Yoga, Yin Yoga, Restorative Yoga, Hormonyoga, Acroyoga, YogaPilates, Woyo Yoga, Yoga nackt, Yoga auf Surfbrettern, Yoga in Tüchern hängend, Yoga auf Bäumen....

 

Heute stelle ich euch einen Yogastil vor, der sich konsequenz weigert, ein Stil zu sein - und genau deshalb ist er mein Ding: Der VINIYOGA.

Falls du von Viniyoga noch nicht wirklich etwas gehört hast, dann mag das daran liegen, dass dieser Yogaweg immer noch ziemlich unpopulär ist. Denn der Viniyoga verzichtet auf Vermarktung, auf Extrovertiertheit und auf jeglichen Glamour. Schon allein das ist für mich ein Grund, Viniyoga zu mögen. Wahre Liebe wurde vor mehr als 10 Jahren daraus aber, weil er auf jegliche Konventionen pfeift und nullkommanull dogmatisch ist. Ich hatte mich damals spontan und intuitiv für die Yogalehrerausbildung in der Tradition von Krishamacharya, dem Vater des Viniyoga entschieden und war bei meinem ersten Besuch in der Yogaschule geflasht von der unglaublich angenehmen, unaufgeregten und unprätentiösen Normalität des Studios, der Räume und der Menschen, die dort üben, unterrichten und lehren. Es gab dort keinerlei Hipster-Getue, keine hinter übertriebener Freundlichkeit getarnte Arroganz, keinen Druck, keine Aggression - alles Dinge, die ich bis dahin auf meinem Yogaweg zuhauf erlebt hatte und die mich immer eingeschüchtert hatten. Ich merkte sofort: hier bin ich zuhause.

 

Was genau ist Viniyoga?

 

Viniyoga geht zurück auf Sri Tirumalai Krishnamacharya.  Er lebte von 1888 bis 1989 in Indien, hat dort Sanskrit und Philosophie studiert und sich sehr intensiv mit der Yogalehre auseinandergesetzt. Er bekam von seinem Lehrer den Auftrag, Yoga im Land zu verbreiten und alles, was er weiß, an seine Schüler*innen weiterzugeben. Krishnamacharya gilt als Vater des modernen Yoga und als Architekt des Vinyasayoga. Er prägte den Weg des Viniyoga, indem er zum einen die Verbindung von Atem und Bewegung lehrte und vor allem das Prinzip der "Lehre, was für den Einzelnen angemessen ist" zum Leben erweckte.

 

Und damit sind wir bei der Essenz des Viniyoga, das was diesen "Yogastil" ausmacht

 

Viniyoga orientiert sich konsequent an den Fähigkeiten, Bedürfnissen und Grenzen jedes einzelnen Schülers. Die Idee dahinter ist, dass wir hier das Asana an den Menschen anpassen, nicht umgekehrt. Das Motto lautet: "Es gibt so viele Asanas wie es Menschen gibt." Viniyoga ist kein Stil, sondern eine Herangehensweise ans Üben. Eine zutiefst respektvolle, achtsame, vollkommen undogmatische und offene Herangehensweise, die uns genau so sein lässt, wie wir sind. Die Kernaussage des Viniyoga ist: DU BIST GENUG. DU BIST VOLLKOMMEN. SO WIE DU BIST.

Wir scheren uns nicht um die äußere Form der Haltung. Für jeden von uns sieht die Haltung anders aus, fühlt sich anders an. Jeder übt, wie er kann.

Der Viniyoga erlaubt sich, jedes Asana zu modifizieren, weich zu machen, ohne die Essenz der Haltung zu verlieren. Damit belebt diese Herangehensweise die ganz ursprüngliche Idee von Yoga. Im Yogasutra III.6 heißt es: "Tasya bhumisu viniyogah" - Die Yogapraxis muss angemessen und schrittweise gelehrt werden. Kein schnelles Hineinrumpeln in die Haltung, keine Hektik, keine Fitness.

In Vini steckt die Sanskrit Silbe "yui" = vi ni, die wir übersetzen können mit Anwenden, Zuteilen, Anpassen.

 

 

Von denen, die Yoga lehren, erfordert diese Praxis ein grundlegendes anatomisches Wissen. Noch bedeutsamer ist aber die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen, darauf zu verzichten, sich zu exponieren und zu zeigen, was man kann, sondern empathisch und achtsam zu erkennen, was der Schüler, die Schülerin braucht. "Unterrichte, was in dir ist, aber nicht, so wie es für dich passt", so der weise Rat von Krishnamacharya an Yogalehrende.

 

Damit unterscheidet sich dieser Weg für mich im Kern von vielen anderen Yogarichtungen, bei denen wir uns verlieren im endlosen Basteln an der überkorrekten Ausrichtung, bei denen wir nach der Yogaklasse oft das Gefühl haben, irgendwie versagt zu haben.

Viniyoga ist neben dem wunderbaren Yin Yoga die liebevollste und wertschätzendste Art und Weise, Yoga zu unterrichten und zu üben.

Weil wir auf Akrobatik und jegliche Form von Beschränkung der Übungspraxis durch sture Ausrichtungsprinzipien verzichten, ist dieser Weg für mich auch der coolste und rebellischste. Die Yoga-Industrie lebt zunehmend von dogmatischen Konzepten und Ideen der Selbstoptimierung auf allen Ebenen und lässt damit sehr wenig Raum für Individualität (ja ich weiß, ich lande immer wieder bei diesem Thema, sorry!).

Viniyoga bleibt kompromisslos bei liebevoller Akzeptanz und beim achtsamen Spiel mit den individuellen Grenzen.

 

Wer in einer Yogaklasse schweißtreibende, dynamisch-sportliche Flows in hohem Tempo mag, wird wahrscheinlich nicht auf seine Kosten kommen. Eine Yogastunde in der Tradition von Krishnamacharya beinhaltet fein durchdachte, sinnvolle Sequenzen, Pranayama, Meditation und Vedic Chanting. Bei den Asanas üben wir durchaus sehr herausfordernd, aber immer angepasst an den Einzelnen. So ist diese Herangehensweise im Grunde immer therapeutisch und daher von der Grundidee als Einzelunterricht gedacht.

 

Wenn man lange in anderen Yogastilen unterwegs war und beim Viniyoga landet, erkennt man einigermaßen erstaunt, dass es beim Yoga um Freiheit geht (hey, wer hätte das gedacht?), um EinfachSein, dass nichts verändert, nichts optimiert werden muss, dass wir an nichts ziehen, zerren und hart arbeiten müssen. Wie wunderbar ist das denn?

 

Vielleicht (hoffentlich!) habt ihr jetzt Lust auf mehr bekommen.

 

Ganz viele Infos findet ihr auf Srirams Seite. Sriram ist ein Schüler von Sri Krishnamacharya sowie einem von Krishnamacharyas Söhnen, Sri T.K.V. Desikachar. Sriram lehrt in Deutschland den Weg des Viniyoga. https://www.yogaweg.de/

 

Schaut auch hier mal vorbei, die Krishnamacharya Schule in Indien:

https://www.kym.org/

 

Namasté & Alles Liebe!

 

Viel Spaß beim Üben,

 

Margit