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Yoga bei Verletzlichkeit und Traurigkeit

 

Bestimmt kennst du das:

Traurige Stimmungen, Verletzlichkeit, dunkle Tage, Momente, in denen du dich am liebsten verkriechen und die Decke über den Kopf ziehen möchtest. Schon morgens fällt es dir vielleicht schwer, dich einzulassen auf den Tag, der vor dir liegt.

Manchmal hat die Traurigkeit einen ganz konkreten Hintergrund, möglicherweise ist etwas passiert, das dich niederdrückt. Vielleicht hat dich jemand verletzt, vielleicht hast du einen Verlust erlitten, hast Liebeskummer oder eine Situation erlebt, in der du enttäuscht warst, weil etwas so gar nicht geklappt hat, wie du es dir gewünscht hast.

Manchmal sind wir aber auch einfach nur so traurig. Ohne bestimmten Grund, ohne Anlass. Das ist gut und in Ordnung so.

Verletzlichkeit und Traurigkeit sind natürliche und ganz normale Gefühle, die dir genauso dienen können wie Freude, Vertrauen und andere Empfindungen, die du als angenehm erlebst. Gib also deiner Traurigkeit und allem, was mit ihr ans Licht kommen will, Raum.

 

Eine achtsame Yogapraxis, eine Praxis der liebevollen Akzeptanz hilft dir, um mit diesen Gefühlen umgehen zu können.

 

Wenn du dich traurig und verletzlich fühlst, brauchst du Trost und Halt, Geborgenheit, Verbindung und Licht.

Finde heraus, woher die Traurigkeit kommt. Wo kannst du sie im Körper spüren?

 

Im Yoga übst du hier am besten sanfte Rückbeugen, die den Geist entspannen und Raum im Herzen geben. Sie unterstützen den Atemfluss und führen dich in die Positivität zurück.

Umkehrhaltungen lassen deine Lebensenergie zurückfließen.

 

Ich habe hier ein kleines Set zusammengestellt, das du üben kannst, wenn du niedergeschlagen und traurig bist:

 

 

Balasana - Die Haltung des Kindes

 

 

Nimm dir in dieser Ruheposition ein paar Momente des Ankommens. Nimm wahr, wie du dich fühlst.

Balasana ist eine sehr geschützte Haltung. Sie umhüllt dich wie eine warme Decke und hält dich, wenn du dich verletztlich fühlst.

In der Kindhaltung kannst du dich wunderbar über deinen Atem nach innen ausdehnen. Nimm einige ruhige und tiefe Atemzüge.

 

So kommst du in die Haltung:

Komme auf deiner Yogamatte in den Vierfüßlerstand. Mit dem Ausatem lass dein Becken langsam in Richtung Fersen fließen. Lege deine Arme entspannt auf der Matte ab. Die Stirn schmilzt nach unten. Der Oberkörper ruht auf deinen Oberschenkeln oder - falls du deine Knie etwas öffnen magst - zwischen deinen Oberschenkeln. Entspanne deine Schultern, lass den Nacken los.

Dein Gesicht ist weich.

 

Ardho Mukha Svanasana - Der nach unten schauende Hund

 

Der nach unten schauende Hund reduziert Stress, dehnt deinen gesamten Körper, vor allem die Beine, deine Arme und Schultern. Die Haltung entspannt deinen Rücken in seiner vollen Länge. Ardho Mukha Svanasana ist eine Umkehrhaltung und lässt deine Lebensenergie zurückfließen. Dein Gehirn wird bestens versorgt und erfrischt. So nimmt er Müdigkeit und unterstützt dich bei depressiven Verstimmungen und traurigen Gefühlen, fördert den tiefen Atem (insbesondere den Ausatem!) und harmonisiert alle Energien in dir.

 

So kommst du in die Haltung:

Beginne im Vierfüßlerstand. Die Knie stehen parallel und etwa hüftbreit unter deinem Becken. Nimm für ein stabiles Fundament deine Hände fast mattenbreit auseinander und fächere die Finger gut auf. Aktiviere deine Fingerkuppen und Handballen. Stülpe deine Zehen um, atme ein und kreiere Länge im Rücken. Atme aus, schiebe dein Becken weit nach hinten und oben. Um die Länge im Rücken zu behalten, beuge hier gerne deine Knie an.

Finde in der Haltung die Mitte: etabliere Kraft und Stabilität über deine Arme und Beine, im Nacken darf wohliges Loslassen entstehen, der Kopf hängt locker.

 

Ardha Bhujangasana - Die Sphinx

Die Sphinx ist eine relativ milde Rückbeuge in der Bauchlage.

Rückbeugen haben eine empfangende, weitende Qualität. Durch sie holen wir uns Positivität ins Leben. Die Sphinx öffnet deine Körpervorderseite vom Hals bis zu den Leisten. Du erfährst in dieser Haltung Weite im Herzraum, in den Schultern und Lungen.

Durch die Stimulation der Nieren, die durch die leichte Kompression im unteren Rücken entsteht, wecken wir hier unsere Lebensenergie auf.

 

So kommst du in die Haltung:

Hebe aus der Bauchlage deinen Oberkörper an. Die Unterarme ruhen auf dem Boden, die Ellbogen stehen etwa unter den Schultern. Deine Hände können dabei parallel nach vorne zeigen, die Handflächen können aneinander liegen oder du verschränkst die Hände. Beine und Gesäß bleiben vollkommen entspannt. Behalte den Kopf entweder in der Aufrichtung und blicke geradeaus oder - eine sanftere Variante für den Nacken - lass den Kopf Richtung Hände sinken.

 

Verweile für einige Atemzüge in der Sphinx.

Ruhe dich danach in der Haltung des Kindes aus.

 

Anahata Asana - Die herzöffnende Haltung

Anahata Asana bietet dir eine wunderbar intensive Weite im Herzraum.

In dieser Haltung schmilzt dein Herz Richtung Erde und hängt quasi ganz frei aus. Hier darf sich Schicht um Schicht Härte, die sich um dein Herz gelegt hat, lösen, dein Herz wird immer weicher. Für Anahata Asana brauchst du ein bisschen Vertrauen. Erlaube, dass Gefühle da sind, gib für ein paar Augenblicke die Kontrolle ab.

 

So kommst du in die Haltung:

Wandere im Vierfüßlerstand mit deinen Händen weit nach vorne. Lasse deinen Oberkörper nach unten zwischen deine Arme sinken. Dein Becken bleibt über den Knien, bette deine Stirn auf der Matte oder auf einer gefalteten Decke. Lass ein "Hängebrücken-Gefühl" zwischen deiner Kopfkrone und deinem Becken entstehen. Entspanne deine Bauchdecke und deinen Brustraum. Alles Harte, alles Festgehaltene darf sich Atemzug um Atemzug lösen.

 

Verweile für 1-3 Minuten in dieser Haltung.

 

Viparita Karani - Der gestützte Schulterstand

Diese Umkehrhaltung lässt deine Lebensenergie wieder in dein Herz fließen. Der Schulterstand gibt neuen Mut, Kraft und Zuversicht.

Er fördert deinen tiefen Atem und reguliert den Hormonhaushalt. Umkehrhaltungen sind grundsätzlich regenerativ. Sie beruhigen den Geist, so dass es dir danach leichter fällt, in die Stille oder Meditation zu gehen.

 

So kommst du in die Haltung:

Beginne in der Rückenlage mit aufgestellten Füßen. Lege dir einen Yogablock, ein festes Kissen oder ein Bolster griffbereit.

Hebe dein Becken an und lege dein Hilfsmittel unter dein Kreuzbein. Lasse ein Knie nach dem anderen zum Bauch sinken und strecke deine Beine nach oben aus. Sobald du das Gefühl hast, dass die Beine ohne dein aktives Zutun in der Luft halten, dann ist der Schulterstand genau richtig. Lege deine Arme entspannt neben dem Körper ab oder breite sie wie Flügel zu den Seiten aus.

Verweile 1-3 Minuten.

Wenn du die Haltung verlassen willst, stelle die Füße zurück auf die Matte, hebe dein Becken an und ziehe dein Kissen heraus. Rolle für einige Augenblicke auf deine Lieblingsseite in eine Embryohaltung.

 

Variante: Ich empfehle, Viparita Karani an der Wand zu üben, wenn du die Möglichkeit dazu hast.

Für die Position an der Wand, brauchst du kein dickes Kissen als Hilfsmittel. Lege deine Beine an der Wand ab. Diese Variante bietet dir doppelten Boden und unglaublich viel Erdung. Der Boden trägt deinen Rücken, die Wand hält deine Beine. Hier kannst du bis zu 15 Minuten verweilen.

 

Achtung: übe diese Umkehrhaltung nicht während deiner Periode.

Ich wünsche dir viel Freude und Inspiration, frische Energie und Zuversicht!