Achtsamkeit und radikale Akzeptanz


 

Wenn du in vollständiger Akzeptanz lebst

mit allem was ist

dann ist das das Ende aller Dramen

in deinem Leben.

Eckhart Tolle

 

Alles akzeptieren was ist? Echt alles? What?

Vielleicht fragst du dich gerade, wie das funktionieren soll und ehrlich gesagt: es geht mir oft genug ganz genau so!

 

Trotzdem möchte ich heute über die "radikale Akzeptanz" sprechen, weil ich die Idee, die dahinter steckt, sehr interessant und extrem sinnvoll finde. Die vollständige Akzeptanz ist ein achtsamkeitsbasiertes Konzept und meint wirklich Achtsamkeit in seiner pursten, ursprünglichen Form.

 

WAS IST ACHTSAMKEIT?

Achtsamkeit ist die wertungsfreie Beobachtung und Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. So wie er jetzt gerade ist. Nicht mehr und nicht weniger. Erstmal.

Du bemerkst den Augenblick mit allem, was zu ihm gehört. Du tust nichts, um ihn zu verändern oder zu verschönern, du schmiedest keine Pläne, wie du die Zukunft, die aus diesem Augenblick geboren wird, gestalten könntest, du beurteilst nichts von dem, was diesem Moment innewohnt.

Schon allein das birgt die riesengroße Chance, in Frieden zu sein, zur Ruhe zu kommen und gelassen zu werden finde ich.

 

WAHRNEHMEN OKAY - ABER AUCH ANNEHMEN?

Mit dem Konzept der Achtsamkeit kann es also gelingen, einen Moment, einen Zustand, eine Situation, wertfrei und unaufgeregt einfach zu betrachten.

Lass uns ein bisschen tiefer gehen und schauen, wie du mit dieser Idee deinen Gefühlen etwas näher kommen  und echtes (Selbst)Mitgefühl, Freude und Dankbarkeit entwickeln kannst. Nachhaltig, dauerhaft und ziemlich effektiv.

Den Ansatz der Achtsamkeit hat Buddha konsequent verfolgt. Alle Meditationen, bei denen du etwas wertfrei und liebevoll wahrnehmen sollst, haben ihren Ursprung in der buddhistischen Tradition.

Du nimmst also wahr - und dann? Das Spiel, das wir dann spielen sollten heißt wahrnehmen und auch ANNEHMEN! Und hier nähern wir uns langsam der radikalen Akzeptanz, zu der auch die Praxis des radikalen Mitgefühls gehört.

 

WIE GEHT DAS?

Eigentlich ist auch das in der Theorie ziemlich einfach: du gehst nach innen und schaust mal, was dir hier so begegnet. Du nimmst wahr, was dir begegnet und dann heißt du alles willkommen. Mit weit ausgebreiteten Armen, offenem Herzen und gelassenem Geist. Hallo sagen zu allem. Alles umarmen. Alles akzeptieren, alles annehmen. Liebevoll mit dem sein, was ist. Hinatmen, hinspüren, dabei bleiben.

"Radikal" ist ja irgendwie ein schwieriges Wort. Gemeint ist aber in diesem Zusammenhang Radikalität in guter Weise und bester, friedlichster Absicht. Radikal im Sinne von "ganz in echt" ohne Kompromisse, ein wirkliches Versprechen dir selbst gegenüber.

 

Das Problem ist, wie du dir sicherlich denken kannst, dass nicht alles, was in unserem Inneren so los ist, immer wirklich prickelnd, erhebend und Friede, Freude, Eierkuchen ist. Absolut nicht. Ganz im Gegenteil: in der Stille, immer dann, wenn wir tatsächlich mal allem erlauben, da zu sein, wenn wir allem Raum geben, dann kommen die Dinge, die wir im Alltag sehr erfolgreich nicht wahrnehmen, nicht sehen, nicht hören und nicht spüren. Und das ist unter Umständen überhaupt nicht schön und angenehm.

 

UND DENNOCH!!!

Wir sollten das machen. Wir sollten es immer wieder versuchen und uns Räume der Stille und der Innenschau gönnen, um zu gucken, WAS IST.

Die radikale Akzeptanz, die auf der Achtsamkeit basiert, bildet damit ein heilsames Gegengewicht zur so genannten "toxischen Positivität" - einem Phänomen, das in der spirituellen Szene, leider auch im Yoga sehr weit verbreitet ist. Gemeint ist, alles, was nicht 100% Freude ist, wegzuschieben, zu schönen, zu verdrängen. Dahinter steckt ein inneres Getriebensein, ein starkes Verlangen, jederzeit zu strahlen, immer gut drauf zu sein, "die Schwingung zu erhöhen". Das hat mit Achtsamkeit und Akzeptanz nicht das geringste zu tun, ganz im Gegenteil. Gesehen oder gespürt wird hier gar nichts - die innere Haltung von toxisch positiven Menschen ist ziemlich hart, lieblos und egoistisch.

 

Geh nach innen und übe dich in Achtsamkeit und liebevollem Annehmen all dessen, was zu dir gehört. Vergiss die Idee, dass du nicht okay bist, wenn du traurig bist. Das achtsame Annehmen deiner selbst bedeutet Mitgefühl. Mit dieser Praxis kultivierst du Selbstmitgefühl und nur so schließlich auch echte Empathie mit deinen Mitmenschen.

 

DAS HEILSAME DARAN

ist, dass du die Dinge, die in deiner Tiefe liegen, ans Licht holst und integrierst. Das macht großen Sinn, denn sie sind ja sowieso da und wirken in dir. Sie kommen in oft recht sonderbarer Weise an die Oberfläche: Dauerstress, Burnout (nicht hinschauen ist ziemlich anstrengend), Ängste, Panik, Wut. Indem du auch deine Schattenseiten annimmst, erkennst du dich selbst ganz und gar, deine Einzigartigkeit, deine Schönheit, dein absolutes "Okay-Sein". Dich mit deinen "negativen" Gefühlen auseinanderzusetzen und sie anzunehmen, hilft dir, dich selbst besser einschätzen zu können.

Weißt du was geschieht, wenn du achtsam beobachtest? Einfach nur deine Wahrnehmung auf etwas legst und eine Weile dabei bleibst? DIE DINGE VERÄNDERN SICH! Schon nach kurzer Zeit wirst du merken, dass sich jeder Zustand, jedes Gefühl, sogar sehr intensive Emotionen oder starke Schmerzen sich unter deiner achtsamen Beobachtung beginnen zu bewegen und zu verändern. Das klingt paradox, ist aber absolut immer so!

Das Versprechen ist nicht, dass alles sofort besser wird!

Wie die Yogapraxis lebt auch die Achtsamkeit und die Meditation von Kontinuität und deinem Dran-Bleiben.

Erlaube, dass nicht jede Meditation dich in einen Zustand des Nirvana, der Erleuchtung und auf Wolke 7 hebt!

Meditation ist zuweilen harte Arbeit und braucht manchmal ein bisschen Disziplin.

Halte den Fokus aber weich, erzwinge nichts, mach keinen Kampf, keinen Wettbewerb draus.

 

Keep up & Enjoy!